Neuste Beiträge

Digitaler Arbeitsschutz: Slow Media Institut und TÜV Rheinland kooperieren

Das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausends war sehr stark von technischen Entwicklungen und digitalen Errungenschaften geprägt. Die zentrale Frage lautete: Was ist technisch möglich? Das Mooresche Gesetz von der regelmäßigen Verdopplung der Speicherkapazitäten ist zwar noch immer ungebrochen. Aber nun, da wir mit der Informationsübermittlung bei Echtzeit angekommen sind, rückt die nächste sinnvolle Frage in den Mittelpunkt: Was machen wir mit diesen technischen Möglichkeiten? Wie, wann und warum wenden wir sie an? Wie definieren wir den konstruktiven Einsatz von E-Mail, Diensthandy und sozialen Medien für die Arbeitswelt der Zukunft?

Digitalen Fortschritt gestalten

Der Fokus unserer Arbeit am Slow Media Institut ist die konstruktive Integration der digitalen Potentiale, die Transformation zu einer Gesellschaft, in der digitale Technologien selbstverständlich und sicher angewendet werden – eine digitale Gesellschaft, die das Digitale beherzt annimmt und es zugleich zu hinterfragen wagt.

Vor allem im Bereich der Arbeitswelt fehlten bisher klare Orientierungsmarken und verlässliche Unterstützung für Unternehmen zur konstruktiven Integration des digitalen Fortschritts.
Diese Lücke schließen wir nun mit unserer Kooperation mit TÜV Rheinland.

 

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TÜV Rheinland und das Slow Media Institut haben gemeinsam einen Standard entwickelt, der klare Richtlinien für den konstruktiven Umgang mit digitalen Medien im Arbeitsumfeld definiert und so Rahmenbedingungen für ein kooperatives mediales Klima und ein respektvolles, positives Leistungsumfeld in digitalen Zeiten schafft. Im Rahmen eines Audits nach diesem Standard können die Unternehmen im Kontext des Siegels “Ausgezeichneter Arbeitgeber” die Zertifizierung zum „Digitalen Arbeitsschutz“ erwerben. Der Standard wird kontinuierlich aktuellen Forschungsergebnissen angepasst und etabliert digitalen Arbeitsschutz als nachhaltigen Prozess im Unternehmen.

Das von Sabria David auf Basis des Slow Media Ansatzes entwickelte Interaktionsmodell Digitaler Arbeitsschutz (IDA) bezieht als systematischer Beratungsansatz unternehmensinterne Dynamiken und Wechselwirkungen ein. Es definiert Rahmenbedingungen für betriebliche Gesundheitsförderung und ist wissenschaftliche Basis für den in Kooperation mit TÜV Rheinland entwickelten Standard zum Digitalen Arbeitsschutz.

Unser Kooperationspartner TÜV Rheinland steht seit seiner Gründung im Jahr 1872 für Sicherheit, Qualität und Effizienz im Zusammenspiel von Mensch, Technik und Umwelt. Auch damals – in den frühen Zeiten der industriellen Revolution – ging es um dieselben Fragen wie heute: Wie gehen wir mit einer disruptiven und starken Technik um? Wie können wir sie uns zu Nutze machen, ohne uns ihr zu unterwerfen? Welche neuen Regeln, Schutz-Richtlinien und Etiketten gelten hier? Welche Orientierungsmarken setzen wir?

Im Leitbild des TÜV Rheinland heißt es: “Wir sind der Überzeugung, dass gesellschaftlicher und technischer Fortschritt untrennbar miteinander verbunden sind.”

Wir schließen uns dem an und freuen uns auf unsere Kooperation.

Hier unsere Pressemeldung im Wortlaut:
Digitaler Arbeitsschutz: TÜV Rheinland und Slow Media Institut entwickeln Verfahren zum Schutz vor digitaler Informationsflut

 

 

 

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Slow Media Institut ist Partner des Wissenschaftsjahrs 2014

Das Wissenschaftsjahr ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Ziel der Wissenschaftsjahres ist es, den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern und aktuelle Forschungsprojekte zu präsentieren. Das Thema des diesjährigen Wissenschaftsjahrs lautet: “Die digitale Gesellschaft”.

Wir erforschen am Slow Media Institut das Phänomen des digitalen Wandels und seine Auswirkungen auf Gesellschaft, Arbeit und Medien, und natürlich sind wir Partner, wenn es um die Digitale Gesellschaft geht.

Für das schwimmende Ausstellungsschiff “MS Wissenschaft” zum Thema des Wissenschaftsjahrs wurden wir um ein Exponat zum Thema “Arbeit in der digitalen Gesellschaft” gebeten.

Neuland Digitale Arbeit

Digitale Technologien haben unser Leben und Arbeiten durchdrungen. E-Mails, Mobiltelefone, Flexibilität, Erreichbarkeiten und beruflicher Revierstress präen unseren Alltag. Ob die Nutzung digitaler Medien auf die Gesundheit am Arbeitsplatz konstruktiv oder destruktiv wirken, wird maßgeblich vom medialen Klima bestimmt, in dem sich die gesamte Unternehmenskultur wie in einem Brennglas abbildet. Das am Slow Media Institut entwickelte Interaktionsmodell Digitaler Arbeitsschutz (IDA) definiert Rahmenbedingungen für betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention aus medienwissenschaftlicher Perspektive. Ziel ist es, die Potentiale digitaler Medien wie Kollaboration, Bindung, Innovation, Inspiration und Zukunftsfähigkeit zu stärken und einen gesundheitsfördernden Umgang mit digitalen Medien zu etablieren.

Thema unseres Exponats: die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt

Wie wir das darstellen? Soviel sei an dieser Stelle bereits verraten: Wir wollten unser digitales Forschungsthema vor Ort auf dem Ausstellungsschiff gerade nicht digital, sondern analog darstellen. Das Exponat wird auf dem Schiff analog und körperlich erfahrbar sein. Es wird dezentral flankiert von einem Blog als digitalem Resonanzraum, der das Exponat digital kuratiert, begleitet und sich parallel zur Ausstellung mit den Fragen befasst: Wie wünschen wir uns die Arbeit der Zukunft? Und: Wie schaffen wir uns eine zukunftsfähige digitale Gesellschaft?

Die MS Wissenschaft startet am 7. Mai in Berlin und wird ein halbes Jahr über Flüsse und Kanäle quer durch Deutschland fahren.

Hier ist der Tourplan: http://www.ms-wissenschaft.de/tour.html

 

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Aktuelle Vorträge und Veranstaltungen

24.09.2014
Köln
Off Limits – Spielregeln für die 24-Stunden-Ökonomie
HUMANOMICS 2014
Impulsbeitrag um Thema “Das Büro in der Westentasche – Konstruktiver Umgang mit Medien durch „Digitalen Arbeitsschutz”"

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24.-26. 09.2014
Erlangen

Paper/Vortrag auf der 50. wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention
“Digitaler Arbeitsschutz – Prävention aus medienwissenschaftlicher Perspektive”

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29.09.2014
Berlin
Digitalisierung der Arbeitswelt – Zwischen Kollaboration und Selbstausbeutung
Eine Veranstaltung der Wikimedia Foundation in Kooperation mit BMBF
Keynote und Podiumsdiskussion

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16. Oktober 2014
Köln Deutz

9.30 Uhr
Zukunft Personal (Messe)

Tandem-Vortrag mit TÜV Rheinland zum Thema „Digitaler Arbeitsschutz“ – Modernes Arbeiten im digitalen Zeitalter“

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17. November 2014
Düsseldorf, Landtag NRW

Tag der Medienkompetenz

Der Landtag NRW in Düsseldorf zeigt anlässlich des Tags der Medienkompetenz das Exponat „Willkommen im Neuland! Arbeiten in der digitalen Gesellschaft“, das in Kooperation von TÜV Rheinland und Slow Media Institut zum Thema Digitaler Arbeitsschutz bereits auf der MS Wissenschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu sehen war.

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28. August 2014
19.30 Uhr
Bonn
Salon in den Räumen des Slow Media Instituts zum Thema “Neue Medien, neue Arbeit?”

Schreibmaschinen, Lochstreifen, Briefe prägten früher die Arbeit. Dann kamen BTX und Floppy-Disc. Heute sind es E-Mails und Smartphones, die den Takt angeben. Ein Abend mit der Medientheoretikerin Sabria David. Show and tell: bring your own device. Gäste können alte Schätzchen und Gadgets mitbringen.

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Interview zu IDA und digitalem Arbeitsschutz

Das Slow Media Institut – Medienkompetenz in digitalen Zeiten

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Das Interview wurde von Anja Kaup (ICOM) geführt. Hier ist der Link zur Originalquelle.

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Das Slow Media Institut mit Sitz in Bonn steht für interdisziplinäre Forschung und Beratung zum Medienwandel. Ziel ist, angemessene Reaktionen auf die Medienrevolution im 21. Jahrhundert zu entwickeln – sie politisch, kulturell und gesellschaftlich zu integrieren und konstruktiv zu nutzen. Dazu bieten die drei Gründer, Sabria David, Jörg Blumtritt und Benedikt Köhler, Seminare und Workshops für Unternehmen an und gehen Forschungsfragen nach. Das Institut war 2012 Partner des Wissenschaftsjahrs zum Thema Nachhaltigkeit.

Sabria David nahm sich Zeit für ein ausführliches Interview mit uns. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin der von ihr 2000 mitgegründeten Kommunikationsagentur TEXT_RAUM, die Unternehmen und Institutionen berät und Markennamen, neue Erzählformen und Digitalstrategien entwickelt. Sie studierte Germanistik, Linguistik und Kunstgeschichte und forscht zu Phänomenen des Medienwandels, publiziert und verknüpft Kommunikationslehre, Kulturgeschichte, Philosophie, Managementtheorien und Wirtschaftsethik.

Sabria David, Mitgründerin und Leiterin des Slow Media Instituts

ICOM: Frau David, Sie vergleichen Slow Media auf Ihrer Webseite mit Slow Food. Worum geht es bei Slow Media und worin liegt die Analogie?

Sabria David: „Slow Food“ entstand als Gegenbewegung zu „Fast Food“. Slow Food zielt auf die Haltung ab, mit der man dem Essen begegnet. Es geht nicht um Geschwindigkeit – also z.B. eine Gurke besonders langsam zu schneiden. Slow Food richtet sich gegen die maschinistische Produktion von Essen ohne Bindung, ohne Bezug, es ist Teil einer ganzheitlichen Geschichte, eine bewusste Haltung in der Nutzung und Produktion von Lebensmitteln. Außerdem geht es bei Slow Food um das Zubereiten und Teilen, das gemeinsame Essen – also um einen sozialen Aspekt.

Diese Grundhaltung ist die Analogie zu Slow Media. In „Slow“ steckt eine verantwortliche, ganzheitliche Haltung – auch bei der Nutzung von Medien. Man sollte die Geschwindigkeit, die die neuen Medien ermöglichen, bewusst nutzen, wenn es sinnvoll ist. Zwischen zwei roten Ampeln Gas zu geben ist zum Beispiel nur bedingt sinnvoll. Man sollte beim Fahren besser immer die ganze Strecke im Blick haben.

ICOM: Was führte zur Gründung des Slow Media Instituts? Und worin bestehen die Aufgaben Ihres Instituts?

David: Vor drei Jahren verfassten Benedikt Köhler, Jörg Blumtritt und ich das „Slow Media Manifest“. Die globale Resonanz darauf war riesig. Schon am ersten Tag der Veröffentlichung kam die Bitte, es auf Englisch zu übersetzen. Nach zwei Wochen war es bereits auf Französisch übersetzt worden. Es gibt auch eine russische, ukrainische, italienische und brasilianische Übersetzung. Wir schienen einen neuralgischen Punkt getroffen zu haben. Die Rückverfolgung der Backlinks zeigte, dass das Manifest v.a. von den technisch weit entwickelten Ländern auf der Nordhalbkugel aufgenommen wurde, in Nordamerika, Kanada, China, Russland, Europa, Türkei, Israel, China, Indien, aber auch Brasilien, Südafrika und Australien. Alles technologisch fortgeschrittene Länder, die sich fragen, wie man diesen Fortschritt sinnvoll integriert. Das Manifest erfuhr eine starke Resonanz über alle Kulturen hinweg.

Wir sahen daher einen Bedarf, diesen Prozess der Integration zu unterstützen: Wie kann man technologischen Fortschritt sinnvoll nutzen, ohne dass er die Menschen überlastet? Es lohnte sich, an dieser Stelle weiter zu forschen und Unterstützung in Form von Beratung und Seminaren anzubieten. Das war der Grundstein des Slow Media Instituts.

ICOM: Was hat Slow Media mit den Sozialen Medien zu tun?

David: Es geht um die Frage, wie man die Sozialen Medien nutzt und wofür. Bei Kommunikation geht es um Bindung, Bezug und Identität. Wie kann man „anschlussfähig“ sein und wie „bindungswillig“ sind z.B. die Mitarbeiter. Die Sozialen Medien sind ein sehr gutes Instrument, sie stellen Strukturen und Techniken zur Verfügung, die geeignet sind, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Aber die Schwelle zur Übernutzung ist schnell erreicht.
Für den Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements haben wir ein Modell zum digitalen Arbeitsschutz entwickelt: das „Interaktionsmodell Digitaler Arbeitsschutz“ (IDA). Wenn keiner mehr aus dem ganzen „Rauschen“ das Wichtige oder für ihn Relevante rausfiltern kann, ist es Zeit für digitalen Arbeitsschutz.

Wie das mediale Klima in Unternehmen verbessert werden kann, ist eine Frage, die alle Branchen betrifft, Großunternehmen und den Mittelstand. Studien von AOK, BKK und der Stressreport des Arbeitsministeriums nennen drei Gründe für die Überlastung von Mitarbeitern: Flexibilisierung, Grenzaufhebung zwischen Arbeit und Freizeit und ständige Erreichbarkeit

In unserem Modell gibt es drei Ebenen. Verantwortliches, gesunderhaltendes Handeln kann auf diesen drei Ebenen auf das Unternehmen einwirken:

1.    Individuelle Nutzung
2.    Absprache auf Teamebene
3.    Führungsebene

Wenn alle drei Ebenen zusammen wirken, kann ich ein gutes Arbeitsklima erreichen. Im Sinne von Slow Media brauche ich Phasen der Fokussierung und Versenkung. Ein Mitarbeiter braucht diese Phasen, um konzentriert eine Aufgabe bearbeiten zu können. Die Konzentration auf eine Sache liegt im Nutzungsverhalten des Einzelnen, also auf der ersten Ebene. Auf der zweiten Ebene ist es sinnvoll, das mit dem Team abzusprechen und auf der dritten Ebene benötigt es die Rückendeckung der Führung.

Für ein gesunderhaltendes Führungs- und Kommunikationsklima sind Vertretungsregelungen und klare Absprachen wichtig. Diese Dinge sind in der Gesellschaft aber noch nicht ganz durchdacht worden. Wir haben noch keine Kulturtechnik dafür entwickelt, dass die neue Technik „immer an“ ist, immer funktioniert. Wir müssen den Fokus stärker auf unser verantwortliches Handeln legen, auf reflektierte statt reflexhafte Nutzung.

ICOM: Sie bieten Seminare und Workshops für Unternehmen an zu Themen wie „Web 2.0 und Improvisation: Einführung in eine neue Kommunikationskultur“ oder „Entschleunigung am Arbeitsplatz – Slow Media als Burnout-Prävention“ und „Entschleunigung als Führungsaufgabe“. Welche Erfahrungen machen Sie in diesen Seminaren?

David: Die Erfahrung die ich mache ist die, dass sich im Umgang mit den Medien in einem Unternehmen die gesamte Unternehmenskultur abbildet. Er wirkt wie ein Brennglas auf den Aspekt des Arbeitens, daher kann man hier fokussiert auf den drei Ebenen ansetzen.

Betrachten wir die individuelle Nutzerrolle, die klar gemacht werden muss. Die gelernte Kulturtechnik beim Medium Brief lautet: bei Eintreffen Brief öffnen, lesen und bearbeiten. Das ist für das Medium Brief eine adäquate, gelernte Kulturtechnik, da die Briefe einmal morgens eintreffen.
Beim Medium E-Mail wird die gleiche Kulturtechnik angewandt. Aber die E-Mail kommt nicht nur morgens, sondern ständig. So kommt man nicht mehr zum konzentrierten Arbeiten. Man muss mit E-Mails anders umgehen als mit Briefen.
Ein Wiki oder ein gut strukturiertes Intranet können gegen diese E-Mail-Flut helfen. Noch ist die E-Mail aber der Regelfall und es gibt eine große Scheu vor diesen neuen Techniken. Dabei wäre es für alle sinnvoller, diese kollaborativen Tools besser zu nutzen.

Eine interne Studie beim französischen Unternehmen Atos zeigte, dass sich die Mitarbeiter 25 Stunden wöchentlich nur mit dem Abarbeiten von E-Mails beschäftigen. Daher hatte sich das Unternehmen entschlossen, interne E-Mails abzuschaffen. Ich bin gespannt, wie sich dieses Projekt entwickelt. [Anmerkung: Wir berichteten dazu in unserem ICOM-Blogbeitrag „Befreiung der Mitarbeiter oder das Ende der E-Mail]

Die E-Mail verleitet dazu, sie reflexhaft zu nutzen, weil es so einfach und leicht ist, sie weiterzuleiten. Dieses reflexhafte Weiterleiten, noch dazu an möglichst viele Leute in cc: ist aber nicht sinnvoll. Besser wäre es, erst einmal inne zu halten und zu überlegen, wer welche Information wirklich braucht und ob es besser wäre, noch einen Tag mit der Weiterleitung zu warten, bis weitere, relevante Informationen zusammengekommen sind.
Ein Drittel der E-Mails lassen sich ohne Verlust einsparen. Diese neue Nutzungskompetenz lässt sich durch Weiterbildung lernen.

ICOM: Bekommen Sie Rückmeldungen von den Teilnehmern? Lässt sich „Slow Media“ im Unternehmensalltag leben, wenn man weiß, wie?

David: Als individueller Nutzer kann man viel verändern, wie man mediale Signale empfängt und weiterleitet und auch auf Teamebene lässt sich viel vereinbaren. Und Führungskräfte haben einen großen Einfluss auf das mediale Klima eines Unternehmens.

An dieser Stelle sind natürlich Begleitstudien sinnvoll, um den Prozess steuern und optimieren zu können. Wir haben einen Zertifizierungsprozess in Planung, um im Bereich digitaler Arbeitsschutz auditierbare Standards zu setzen. Als Unternehmen kann ich mich auch fragen, wo ich dieses Thema im Unternehmen sichtbar werden lassen kann.
Unternehmen wie VW und Daimler haben z.B. neue Regeln als Unternehmen gesetzt. Bei VW gilt, dass am Wochenende keine E-Mails mehr rausgeschickt werden. Bei Daimler dürfen die E-Mails gelöscht werden, die während des Urlaubs ankommen. Dafür werden aber klare Vertretungsregelungen benötigt.

Ich stelle in meinen Seminaren fest, dass es wenig klare Vereinbarungen gibt. Bei einem Diensthandy ist oft nicht klar geregelt, was das Unternehmen von seinem Mitarbeiter erwartet. Es gibt Mitarbeiter, die in ihrer Freizeit gut abschalten können, andere Mitarbeiter schauen aber auch in ihrer Freizeit immer wieder nach, was im Unternehmen passiert.

Vor allem das Smartphone ist eine ganz frische Technologie. Erst 2007 kam das erste marktfähige iphone auf den Markt. Heute haben wir bereits weltweit eine Milliarde Smartphone-Benutzer. Da ist klar, dass wir die Nutzung noch nicht gelernt haben.

ICOM: Was halten Sie in diesem Zusammenhang von Entwicklungen wie z.B. dem Klout-Wert?

David: Das kann eine große Falle sein. Es muss klar sein, dass das Revier in ungeahntem Ausmaß ausgeweitet wurde. Selbst in Unternehmen, die von einer starken Präsenzkultur gekennzeichnet sind und sich Erfolg in besonders langen Arbeitstagen ausdrückt, kann man irgendwann nach Hause gehen – im Bewusstsein, sein Revier verteidigt zu haben. Aber das digitale Revier ist nie zu Ende. Ich habe dafür den Begriff „Revierstress“ eingeführt. Dem muss man sich selbst entziehen und das verlangt eine hohe Souveranität.

Das Thema Medienkompetenz ist auch bei jungen Leuten ein großes Thema. Hier herrscht ein großer Druck, das soziale Revier im Auge zu behalten. Mein Wunsch wäre, von Schulen zu diesem Thema eingeladen zu werden.

Im Mediendiskurs nehmen wir eine Position zwischen Alarmismus (wir und unsere Kinder verdummen durch das Internet) und den Apologeten ein (das Internet ist die Lösung für alles).

ICOM: Wenn wir nach den Rezensenten jetzt auf die „Produzenten“ von Informationen blicken – auf welche Qualitätskriterien können/sollten Mitarbeiter der Internen Kommunikation bei der Produktion von Medien Ihrer Meinung nach achten?

David: Die Produzenten in der Internen Kommunikation sollten sich immer bewusst machen, dass sie zu einem Gegenüber sprechen, bzw. Teil eines Gesprächs sind, bei dem es um Innovation, Inspiration und Improvisation geht. Man darf sich nicht nur als Produzenten von Informationen sehen, sondern lieber als jemanden, der einen Ball in die Luft wirft, sieht was zurück kommt und dann wieder entsprechende Informationen beisteuert. Um das Informationsrauschen zu filtern muss man sich selbst als guten Filter verstehen und sich bewusst darüber sein, dass man mit seinem Handeln etwas bei anderen verursacht. Informationen müssen also so produziert werden, dass sie Nutzen und kein Rauschen bringen.

Die Rolle der Internen Kommunikation ändert sich, sie entwickelt sich weg davon, nur Informationen zu liefern. Interne Kommunikation ist der soziale Kitt, der die Mitarbeiter einbindet und sie als Teil des Ganzen fühlen lässt.

Um alle Mitarbeiter einbinden zu können, werden die unterschiedlichen Kulturkonzepte noch eine Zeitlang parallel laufen. Mitarbeiterzeitungen, Wandzeitungen oder Schwarze Bretter können gerade im digitalen Zeitalter ein wichtiger Gegenpart sein. Die Medien müssen nur zueinander passen und gut abgestimmt sein.

Besonders wichtig ist, dass man bei den Sozialen Medien das Verpassen lernt. Bisher verlangt die Unternehmenskultur, dass jeder alles mitbekommen muss. Mit dieser Haltung kann man kein Soziales Netzwerk einführen. Soziale Netzwerke sind keine Memos, die jeder gelesen haben muss. Das muss klar sein. Besser ist es, diese als Archiv zu sehen. Die neuen Medien stoßen oft auf Befremden, weil sich Mitarbeiter genötigt fühlen, „das auch noch zu machen“.

ICOM: Als Ausblick: welche Ihrer Forschungsfragen beschäftigt Sie zur Zeit am meisten?

David: Wir bearbeiten Forschungsfragen in Kooperation mit Instituten und Unternehmen. Die Themen, die wir auf unserer Seite veröffentlicht haben, sind Themen, die nahe liegen, sinnvoll und denkbar sind.

Für mich ist das Thema Digitaler Arbeitsschutz gerade das wichtigste Thema. Dieses Thema ist für Unternehmen, Kranken- und Unfallkassen, Betriebsräte und Betriebsärzte interessant.

Das andere Thema ist, wie wir als Gesellschaft mit diesen Veränderungen umgehen können. Ich forsche zu offenen Systemen und offenen Formaten, die die Antwort auf den permanenten Wandel sind. Wikipedia ist z.B. die Antwort auf den schnellen Wandel, der gedruckte Lexika gleich veralten lässt. Das Daimler Blog von Uwe Knaus ist ein dynamisches, diskursives Format, das erste Corporate Blog eines DAX30 Unternehmens, das reaktionsschnell aktuelle Entwicklungen und Diskurse abbilden kann und eine nachhaltige Resonanz der Unternehmenskultur ist.

ICOM: Frau David, wir bedanken uns ganz herzlich, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch genommen haben und wünschen Ihnen bei Ihren weiteren Forschungen viel Erfolg!

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Das Interaktionsmodell Digitaler Arbeitsschutz (IDA)

(Weiterführende Informationen finden Sie auf unserem
Fachportal zum Digitalen Arbeitschutz unter www.digitaler-arbeitsschutz.de
sowie in dieser Fachpublikation)

Zentrale Aspekte des Slow Media Ansatzes sind eine verantwortliche Mediennutzer-Haltung, die beherzte Nutzung digitaler Errungenschaften und die zunehmende Notwendigkeit der Rauschreduktion und der Fokussierung in der Mediennutzung. In der heutigen Arbeitswelt gewinnen diese Faktoren zunehmend an Bedeutung. Gerade im Bereich der Arbeit sind mit der rasanten technologischen Entwicklung neben den Möglichkeiten auch die Notwendigkeit des medial verantwortlichen Handelns und adäquater Mediennutzungskompetenz signifikant gestiegen. weiter lesen …

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Entschleunigung am Arbeitsplatz – Slow Media als Burnout-Prävention

“Slow Media can be understood as both a philosophy and a practice”, schreibt Prof. Jennifer Rauch in ihrer Studie über Slow Media. Unser Slow Media Ansatz ist zugleich eine inspirierende Theorie und ein praktizierbares Konzept, das für viele Problemstellungen des digital getriebenen gesellschaftlichen Wandels vernünftige Lösungsansätze bietet. Die Potentiale der Informationstechnologie für Unternehmen ist immens. Weltweit sind eine Milliarde Smartphones im Einsatz. In der dadurch gewonnenen Flexibilität liegt eine große Chance für neue Arbeitskulturen.

In Zukunft wird es darum gehen, “angemessene Reaktionen auf diese Medienrevolution zu entwickeln – sie politisch, kulturell und gesellschaftlich zu integrieren und konstruktiv zu nutzen”, schrieben wir in der Präambel unseres Manifestes und hatten dabei natürlich auch die Praxis im Blick. In diesem Sinne stehen wir mit Slow Media für eine zugleich beherzte wie verantwortliche Nutzung neuer Medien.

Vor allem im Bereich der zwischen globalen Anforderungen sich aufreibenden Arbeitswelt sind funktionierende Konzepte dringend notwendig. Potentiale und destruktive Aspekte der digitalen Verfügbarkeit und Flexibilisierung liegen hier besonders nahe beieinander. Die von Krankenkassen und Berufsgenossenschaften (z.B. im Rahmen des AOK Fehlzeitenreports 2012) mit klaren Zahlen festgestellte Zunahme an Belastungs- und Burnout-Erkrankungen mit hohen Ausfallzeiten sprechen eine eindeutige Sprache.

Wir bieten für Unternehmen und Institutionen forschungsgebundene Weiterbildung und Beratung zu medialem Arbeitsschutz, schätzen Gefährdungen ein und geben Handlungsempfehlungen sowohl für Verhaltens- wie Verhältnisprävention.

Ein Element medialer Gesundheitsprävention im Arbeitsumfeld sind unsere Workshops. Bereichs- und hierarchieübergreifend oder in Realteams werden konkrete individuelle und Team-Handlungspläne entwickelt und vereinbart, um die Grundlagen für einen Kulturwandel im Unternehmen zu schaffen.

Workshop “Entschleunigung am Arbeitsplatz – Slow Media als Burnout-Prävention”

Thema des Workshops  ist der verantwortungsvolle und gesunderhaltende Umgang mit neuen Medien. Der Workshop wird geleitet von der Medienwissenschaftlerin Sabria David, Mitgründerin und Leiterin des Slow Media Instituts.

Entschleunigung und Effizienz

Die Welt hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert, sie ist schneller und effektiver geworden, aber auch getriebener und gehetzter – mit gravierenden Auswirkungen auf Arbeitsleben und Unternehmen. Wichtig ist es, hier frühzeitig gegenzusteuern, um negative Auswirkungen durch Burnoutfälle zu vermeiden. Zu den primären Kosten der Ausfallzeiten kommen die sekundären durch die Überlastung der verbleibenden Mitarbeiter und Einflüsse auf Motivation und Betriebsklima hinzu.

Entschleunigung ist – richtig eingesetzt – eine effektive Methode, um die Handlungsfähigkeit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter langfristig zu stärken.

  • Mitarbeiterzufriedenheit, Teamgeist und Effizienz steigen an.
  • Fluktuation, Fehlerhäufigkeit und Ausfallzeiten gehen zurück. 

Der Weg aus der Spirale

Mit dem technologischen Fortschritt steigt die Verantwortung für die Nutzung der Technik und für den Aufbau einer nachhaltigen Führungs- und Kommunikationskultur. Verantwortliches, gesunderhaltendes Verhalten kann auf drei Ebenen auf Unternehmen einwirken:

  • auf individueller Ebene
  • auf Ebene von Teams/Abteilungen
  • und auf Führungsebene

Die Teilnehmer des Workshops üben, die Potentiale digitaler Medien konstruktiv statt destruktiv zu nutzen und berufliche Herausforderungen souverän anzunehmen.

Themen des Seminars

  • Die Technik beherrschen lernen
  • Entschleunigung als gesunder Weg zwischen Über- und Unterforderung
  • Technologische Entwicklung und Verantwortung
  • Umgang mit Verfügbarkeitskult
  • Kettenreaktion der Hektik unterbrechen
  • Postdigitale Rückzugsräume
  • Nutzung sozialer Medien
  • Medienrauschen filtern
  • Erstellung konkreter und individueller Handlungspläne

Der inhouse Workshop dauert 8 Stunden.
Er richtet sich an Mitarbeiter und Führungskräfte von Unternehmen und Institutionen.
Die Teilnehmerzahl beträgt 10-15.

Kontakt

Tel. +49(0)228-90 85 750
sabria.david@slow-media.net
www.slow-media-institut.net

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Weiterlesen? Hier ein Blogbeitrag zum Thema: “Revolution, Entschleunigung und Vatis Smartphone

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Zeiten des Wandels

Melchior Lorck: "zu Venedig dem Lebend nach gemacht" 1555

Unsere Gesellschaft befindet sich auf der Schwelle. Es ist zu spüren, dass bisherige Mechanismen, Techniken und Modelle nicht mehr so recht funktionieren – aber verlässliche neue Strukturen haben sich noch nicht entwickelt. Alte und neue Konzepte, bisherige und zukünftige Kulturtechniken konkurrieren um die Deutungshoheit. “Zurück zum Bewährten!” rufen die einen “Vergesst was gewesen ist! Das Neue erlöst uns!” rufen die anderen.

Aber so einfach ist es nicht. Wir müssen genau hinsehen, die Mechanismen des Wandels untersuchen und daraus konstruktive neue Modelle entwickeln. Das verlangt Mut, Neugier und Experimentierfreude. Es sind aufregende und spannende Zeiten. Im Schwimmen der Konturen lassen sich aber, wenn man genau hinsieht, neue Muster und Strukturen finden, aus denen man vielleicht die Zukunft lesen kann.

Das Slow Media Institut befasst sich mit dem digitalen Wandel und seinen technologischen, soziologischen, kulturwissenschaftlichen, politischen, philosophischen, medientheoretischen und medienpraktischen Aspekten. Es sucht die positiven Potentiale in technologischen Entwicklungen, wägt Risiken ab, führt internationale Experten, Praktiker und Theoretiker aus verschiedenen Kontexten zusammen und möchte mit Forschung, Beratung und Workshops einen Beitrag zum konstruktiven Umgang mit dem Wandel leisten. Ausgangspunkt dieser Arbeit ist das Slow Media Manifest, das in den zwei Jahren seit seiner Entstehung auf digitalem, mündlichem und schriftlichem Weg durch 28 Länder und viele Sprachen gereist ist.

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À table!

Eine der Absichten unseres Medienwandel-Instituts ist es, neue Erzählformen zu erforschen und zu entwickeln. Drüben im Slow-Media-Blog haben wir uns schon des öfteren mit verschollenen Genres und Medienformaten befasst; mit der Frage, ob sie obsolet sind und unter welchen Bedingungen und als was sie wiederkommen werden. Wir stehen durch den digitalen Wandel vor einer Renaissance diskursiver Formate. Vor diesem Hintergrund fragen wir uns, ob nicht auch möglich ist, Forschung neu – und in neuen Formaten – zu denken.

Das Tischgespräch ist solch ein Genre, das wir für die Forschung gewinnen wollen: als einen Ort des Denkens und Auseinandersetzens, des konstruktiven Fürs und Widers unter den Fittichen eines gemeinsamen Mahles, das man unter Experten verschiedener Disziplinen teilt.

Bis es soweit ist, hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack:

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TISCHUNTERHALTUNG, f. unterhaltung bei tisch, vgl. Schultz höf. leben, 134 f.: jede tischunterhaltung sollte selbst ein kunstwerk sein, das auf gehörige art das mahl accompagnirte. Tieck 4, 70.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Bd. 21

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“Ma non e cosi taciturni. A nostra tavola si parla, si discute, si raconta molto.”

Don Camillo und Peppone: Il compagno, 1963

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“Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. [...] Ein solches Reden ist wahrhaft lautes Denken.”

Heinrich von Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden, 1805

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Chevaliers de la table ronde

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“Über Tisch war Lenz wieder in guter Stimmung, man sprach von Literatur, er war auf seinem Gebiete”

Georg Büchner: Lenz, 1839

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Astérix et les Normands, 1967, Festmahl

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“Das Leben hier ist von tödlicher Einförmigkeit. Man disputiert über nichts, nicht einmal über Religion.”

Ferdinando Galiani an Baron von Holbach, 1770 (aus Neapel, fern der Pariser Salons)

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“Ich wollte von Leuten mit Geschmack gelesen und von erfahrenen Meistern umgesetzt werden”

Alexandre Dumas: Das Große Wörterbuch der Kochkunst, 1872

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Reaktionsfähigkeit und Medienevolution

Politik und konventionelle Medien haben im Januar und Februar eine Gemeinsamkeit gezeigt: Sie einte ein sonderbares Zaudern, ein Ausbleiben von Handlungswillen oder -fähigkeit in Bezug auf die politische Lage in Ägypten. Etwas schien sie daran zu hindern, in der Ägyptenfrage zu handeln oder Stellung zu beziehen. Konnte man ihnen in den ersten Tagen noch zu Gute halten, dass sie die Lage erst einmal abwarten, um nicht nicht in Aktionismus zu verfallen (ein legitimer Ansatz), so war doch irgendwann der Zeitpunkt gekommen, an dem eine Reaktion fällig gewesen wäre.

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